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2013-03-27

BONGRIPPER - Live at Roadburn 2012

Es war Sonntagabend, der vierte Tag des Roadburn Festivals 2012, der Hauptsaal des 013 war proppevoll. Die Band hatte vorher schon einen Auftritt hingelegt, ihren allerersten in Europa, bei dem ich leider noch nicht zugegen gewesen war.
Doch diese zweite Show war mir schon Offenbarung genug. Bongripper spielten ihr komplettes Album "Satan Worshipping Doom", welches sinnigerweise aus den vier Longtracks "Hail", "Satan", "Worship" und "Doom" besteht. Die Musik ist rein instrumentaler, böser, ranziger Doom Metal. Der Albumtitel ist sozusagen Programm. Großartiges Album, sehr feines Konzert!

Und nun gibt es diese Perle zusammen mit dem ersten Auftritt als Doppel-CD.



BONGRIPPER - Live at Roadburn 2012 (2013)

Bongripper lassen die pure Macht des Riffs für sich sprechen und halten ansonsten die Klappe. In diesem Geiste kann und will hier auch nicht unnötig viele Worte verlieren.

Wer auf konsequenten tiefen, harten Krachdoom steht und gerne rätselt, ob gerade der Speaker der eigenen Anlage oder das Arbeitsgerät des Bassisten kaputt gegangen ist, der kann gar nicht besser bedient werden!

Als kleines Manko könnte man höchstens zählen, dass der Zwanzigminüter "Worship" doppelt vertreten ist. Anderseits ist das Stück aber auch sehr geil und ein Highlight beider Sets. Warum also nicht?
Nein, bei einer Instrumentalgruppe mit Songtiteln wie "Fisting" oder "Sex Tape" kann man eigentlich schon prinzipiell nichts kritisieren.

Fazit: "Live at Roadburn 2012" brummrockt ganz famos und wird sicherlich schnell zum gefragten Liebhaberstück avancieren. 130 Minuten Doooooom zum Genießen!

Anspieltipps: Worship, Hate Ashbury, The Great Barrier Reefer (Segment)

2013-03-25

YOUN SUN NAH - Lento

Schnauze auf den billigen Plätzen!
Hier spricht der Jazzperte!

Ich weiß quasi alles über Jazz, schließlich habe ich mich schon ab und zu bei Konzerten im Fernsehen festgekuckt. Außerdem mag ich das extreme Advantgardezeugs von John Zorn, wie z.B. Naked City oder PainKiller - und aus dem Fusionbereich den Jazzrock von Colosseum und Mahavishnu Orchestra - und die krautigeren Niagara und Passport - und den Jazz-Metal von Exivious. Und Helge Schneider sowieso.

Und dann habe ich ja auch noch diese großartige La Discotheque Ideale-Box mit 25 Album-Klassikern von Künstlern wie Sarah Vaughan, Art Tatum, Jaco Pistorius und  Herbie Hancock, in der ich immer noch viele Schätze entdecke, bei der mich allerdings auch ein wenig ernüchtert hat, wie ewig lange diese Musik im 4/4-Takt festhing, ehe Befreier wie Dave Brubeck zur Tat schritten...

Soweit der Überblick. Wie ihr Ahnungslosen seht, bin ich also Fachmann durch und durch.

Ich rieche, schmecke und atme Jazz.

Kein Wunder also, dass ich neulich im Jazzperten-Fachblatt Spiegel Online auf den Stream des neuen Albums einer in Paris lebenden Koreanerin gestoßen bin, welches mir so gut gefiel, dass ich umgehend in mein Jazzman-Kostüm geschlüpft bin und mit dem Jazzmobil das nächste amazon-Lager zerstört, alle Sklaven befreit und mir ein Exemplar erplündert habe.



YOUN SUN NAH - Lento (2013)

Besengewische, walking Kontrabass, Klavier *klimperklimper*, Trompete *trööt*... Davon ist Youn Sun Nah Welten entfernt.

Ehrlich gesagt kann man bei einigen Tracks auf "Lento" sogar die berechtigte Frage stellen, ob es sich hier überhaupt um Jazz handelt. Zumal hier z.B. auch koreanische Folklore ("Arirang") oder ein Cover der Johnny Cash-Version des Nine Inch Nails-Songs "Hurt" zu hören sind.

Beim Scat von "Momento Magico" hingegen ist die Frage überflüssig. Und für mich persönlich ist sie - egal, wie man sie beantworten möchte -  einfach insgesamt nicht von Belang. Gut ist einfach gut.

Fakt ist, dass es sich bei Youn Sun Nah um eine hervorragend ausgebildete, extrem vielseitige und ausdrucksstarke Sängerin handelt, die nicht nur bei sehr ruhigen, spartisch instrumentierten Stücken glänzt, sondern auch in ihren überraschend energischen aber niemals geknödelten Ausbrüchen stets die volle Kontrolle über ihre Stimmbänder behält.

Bis auf wenige Ausnahmen wie "Lament" oder das böse "Ghost Riders In The Sky" ist "Lento" überwiegend ein eher ruhiges, aber deswegen nicht weniger spannendes Album, welches auf jeden Fall auch außerhalb elitärer Jazzpolizeizirkel seine Hörer verdient hat. Wer mit offenen Ohren durch die Welt geht, sollte auch ohne entsprechende Sozialisation mal mindestens eines davon riskieren.

Mich packt Youn Sun Nah hier beispielsweise weit mehr als das etwas zu verkonzeptionalisierte verkopfte letzte Album von Björk.

Aber wie gesagt - ich bin ja auch Jazzperte durch und durch.


Anspieltipps: Ghost Riders In The Sky, Momento Magico, Lament

2013-03-16

DAVID BOWIE - The Next Day

Bäm! Plötzlich war da ohne jene Vorwarnung - wie aus dem Nichts - ein Lebenszeichen!

Ganz großer Feueralarm im Feuilleton. Die Buchstabensuppe wurde intravenös injiziert, die Archive vorbereiteter Nachrufe geplündert und sich hemmungslos in Ekstase geschwafelt. Keine Frage, zu diesem popkulturellen Paukenschlag galt es nun, sich auf jede erdenkliche Weise intellektuell zu positionieren, Brücken zwischen dem hier und damals zu schlagen, das Gesamtkunstwerk, seine Bedeutung für Mode und Zeitgeist neu zu bewerten und natürlich, die brennende Frage nach seiner aktuellen Relevanz zu stellen.

Was war geschehen?

In einer Zeit, in der jeder Stuhlgang Philipp Röslers von einem Spiegel-Liveticker begleitet wird, hat der große David Bowie, von dem man seltsamerweise zuletzt hörte, als er nicht bei der Abschlussfeier der Olympischen Spiele in London auftrat, es tatsächlich geschafft, über viele Monate klammheimlich ein komplettes neues Album einzuspielen!

Am neulich schon von mir erwähnten 8. Januar, seinem Geburtstag, tauchte dann plötzlich das Video zu "Where Are We Now?" auf, ein sehr schwermütiger Song, in dem er die Stätte einer seiner kreativsten Phasen besingt, das Dorf Reher, in dem auch ich zu Hause bin. Auf deutsch erinnert er an die zwei nicht mehr vorhandenen Kneipen, den A&O- und den Bona-Markt, sowie die alte Bushaltestelle gegenüber der neuen Sparkasse. Kein Wunder, dass die hiesige Hörer- und Schreiberschaft kollektiv ausrasten musste, bis auf einige, die angesichts der melancholischen Schwermut etwas besorgt waren, dass es dem neuen Bowie an Dampf mangeln könnte.

Dass er sich beim Cover zum Album um schon mehr als eine bloße Reminiszenz an die Reher-Tage handelte, machte den Verdacht wahrlich nicht kleiner... Der zweite bekannte Song "The Stars (Are Out Tonight)" kam dann aber ganz anders daher, so dass den meisten Bowie-Fans wohl klar wurde, dass man sich vom gesamten Spektrum auf "The Next Day" besser ein eigenes Bild machen sollte.

   

DAVID BOWIE - The Next Day (2013)

Es ist wirklich ein sehr abwechslungsreiches Album geworden, auf dem jeder der 17 Tracks seinen eigenen Charakter hat. Natürlich gibt es dabei weitere Anklänge an die Vergangenheit, sonst wäre das genial plumpe Cover ja auch ziemlich deplaziert. Gleichzeitig ist es trotz Elementen wie dem Achtziger-Saxophon in "Dirty Boys" und "Boss of Me" kompositorisch aber keine reine Ü40-Veranstaltung, sondern in guter Bowie-Tradition mit modernem Sound zeitlos gut.

Im Zentrum des instrumentalen Geschehens stehen dabei fast immer die Saiteninstrumente, deren Bedienung sich mehrere alte Weggefährten teilen. Was kann z.B. schon groß schiefgehen, wenn sich Bowies engster Kompositionspartner Tony Visconti, sowie Tony Levin und seine großartige Live-Bassistin und Backgroundsängerin Gail Ann Dorsey die tiefen Saiten teilen? Genau, nichts.

Und dann ist da natürlich der Meister selbst. Welche Rolle er in den Siebzigern in was für einem Kostüm gespielt hat, war für mich schon immer nur Randnotiz. Ich bin da eher der Musik-Purist, so dass ich mich an der Überinterpretation und Sezierung des Künstlers David Bowie nicht beteiligen möchte.
Was ich weiß ist, dass er selbstverständlich ein Charismat vor dem Musikgott ist, eine unfassbar einzigartige Stimme hat und seine Lieder oft mit einer ganz eigenen, teilweise ironisch anmutenden Distanz singt, die ich unglaublich faszinierend finde. Auf "The Next Day" enttäuscht er in keinem dieser Punkte. Und sein Jahrgang 1947 ist ihm dabei nur sehr selten anzuhören, und zwar nur genau dann, wenn er es bewusst darauf anlegt.

"The Next Day" ist von vorne bis hinten eine energiegeladene, spannende Angelegenheit ohne Füllmaterial, welche tatsächlich neben dem optisch zitierten Reher-Klassiker "Heroes" bestehen kann.
Das einzige Haar in der Suppe, welches ich mit Lupe finden kann ist die durchgehend radiofreundliche Songlänge. Gerade den ganz und gar radiounfreundlichen Prog-Irrwitz meines persönlichen Lieblings "If You Can See Me" hätte man doch noch sooo viel konsequenter auskosten können... Das war's dann aber auch schon.

Nachdem ich mich ja schon frühzeitig auf Voivods "Target Earth" als Metal-Album des Jahres 2013 festgelegt habe, wage ich ich hier einfach mal ähnliches und erkläre David Bowies "The Next Day" hiermit zum besten internationalen Top-1-Album des Jahres.

Bäm!

Anspieltipps: If You Can See Me, How Does The Grass Grow?, The Stars (Are Out Tonight), Heat, Love Is Lost, Where Are We Now?

DIE ÄRZTE - Waldspaziergang mit Folgen / Sohn der Leere

Bäm! Plötzlich war da ohne jene Vorwarnung - wie aus dem Nichts - ein Lebenszeichen!

Ganz großer Feueralarm im Feuilleton. Die Buchstabensuppe wurde intravenös injiziert, die Archive vorbereiteter Nachrufe geplündert und sich hemmungslos in Ekstase geschwafelt. Keine Frage, zu diesem popkulturellen Paukenschlag galt es nun, sich auf jede erdenkliche Weise intellektuell zu positionieren, Brücken zwischen dem hier und damals zu schlagen, das Gesamtkunstwerk, seine Bedeutung für Mode und Zeitgeist neu zu bewerten und natürlich, die brennende Frage nach - Halt! Stopp!

Sorry, die Einleitung gehört natürlich zu meinem noch unfertigen Review des neuen Albums von David Bowie.


DIE ÄRZTE - Waldspaziergang mit Folgen / Sohn der Leere (2013)

Die aktuelle, nach der Laternen-Joe-Splitsingle vierte Auskopplung aus dem Die Ärzte-Longplayer "auch" ist hingegen keine große Überraschung, sieht aber mit ihrem Doppelcover de Luxe mal wieder geil aus und gehört deswegen schon mit in die Sammlung.

Die beiden Titelsongs von Farin und Rod sind logischerweise schon vom Album bekannt, die beiden anderthalb Neuinterpretationen "Waldspaziergang mit Gott" und "Lohn der Lehre" sind von Bela B. im Alleingang zu verantworten. Was eigentlich schon alles sagt.

Dazu gibt es für alle, die noch nicht dieses neumodische Interweb am Kompjuter haben noch zwei Musikvideos.

Man könnte also unter Umständen durchaus sagen, dass man tatsächlich auch als Fan diese Veröffentlichung eventuell nicht ganz wirklich braucht. 

Aber möchte ich dafür verantwortlich sein, wenn im millionenschweren Luxusloft von Farin Urlaubs Putzhilfe der doppeltürige Kaviarkühlschrank in der Bernsteinküche nicht prall gefüllt ist? Wehe mir!

In diesem Sinne: Lasst euch von den Punkrocktitanen ausbeuten!
Ruhm, Reichtum und Macht für Die Ärzte!

Anspieltipps: Sohn der Leere, Lohn der Lehre

2013-03-06

VOIVOD - Target Earth (Limited Edition Box Set)

Klammern wir Willy Millowitsch, Elvis Presley und die Sesamstraße an dieser Stelle einfach mal aus.

Vor knapp zwei Monaten, Am 8. Januar feierten sie vor allem im Weltraum Geburtstag:

Stephen Hawking, David Bowie - und natürlich die legendären Voivod!

VOIVOD : Away, Chewy, Blacky, Snake










































Tatsächlich wurden Voivod stolze 30 Jahre alt, was angesichts der wechselvollen Geschichte dieser Band ja schon als kleines Wunder gelten darf. Auf der einen Seite stand immer der durch ihren einzigartigen Sound schon früh erspielte weltweite Kultstatus, auf der anderen nicht nur die personelle Zerfaserung, nachdem sich in den Neunzigern gleich zwei Gründungsmitglieder (vorübergehend) aus der Gruppe verabschiedeten, sondern vor allem zwei schwere Schicksalsschläge: der schwere Tourbusunfall auf dem Weg zum Wacken Open Air 1998, der für den damaligen Frontmann Eric Forrest in ein neunmonatiges Koma mündete und natürlich der Tod von Denis "Piggy" D'Amour, der im August 2005 dem Darmkrebs erlag.

Angesichts dieses menschlichen Verlustes, aber auch wegen der essentiellen Rolle seines einzigartigen Gitarrenstiles für den Sound von Voivod, hätte demnächst wohl kaum jemand bezweifelt, dass das Ende der Band gekommen war.
Es ging aber auf sehr unkonventionelle Weise weiter, denn Piggy hatte ihnen auf seinem Homerecording-Laptop Material für zwei weitere Studioalben ("Katorz" und "Infini") hinterlassen.

Und so gab ab 2008 tatsächlich sogar zwei verschiedene Versionen von Voivod, welche parallel existierten (und wenn man die Bebilderung von Voivod-Artikeln im Internet betrachtet, für eine bis heute andauernde Verwirrung sorgten): Im Studio vollendeten Michel "Away" Langevin und Denis "Snake" Belanger zusammen mit Ex-Metallica-Bassist Jason Newsted die beiden posthumen Piggy-Alben.

Das zunächst nur für ein paar Festivals angedachte Live-Lineup jedoch bestand neben dem Original-Schlagzeuger und -sänger aus dem nun ebenfalls zur Band zurückgekehrten Jean-Yves "Blacky" Theriault und dem durch Piggy zum Gitarrespielen inspirierten Dan "Chewy" Mongrain, der die unmögliche Aufgabe, in die Fußstapfen seines Idols zu treten, seitdem mit Bravour meistert.

Es sind dann ja doch zum Glück doch ein paar Konzerte geworden, so habe ich persönlich Voivod seit 2010 in Wacken, Zürich, zweimal in Tilburg und zuletzt in Hamburg erleben dürfen.

Im April 2011 hörte ich mit "Kaleidos" den ersten neu komponierten Song der Band, und seitdem war meine Vorfreude auf dieses Album ungebrochen. Und - soviel sei verraten - ich wurde nicht enttäuscht!



VOIVOD - Target Earth (Ltd. Edition Box Set) (2012)

Das selbstverständlich wie immer von Away gestaltete Cover des Albums (bzw. in meinem Fall der auf tausend Exemplare limitierten Box) sieht nicht nur geiler aus als 99 Prozent der üblichen Metal-Cover, sondern verrät auch schon ganz subtil etwas über den musikalischen Inhalt. Man beachte die Farben und vergleiche sie mit allen Voivod-Covern der Vergangenheit! Sämtliche dominierenden Farben wurden hier nämlich aufgegriffen, ganz so wie es auch musikalisch Anklänge an alle noch so verschiedenen Phasen der Bandgeschichte zu hören gibt.

Dies geschieht allerdings keinesfalls in krampfhaft konstruierter Form, sondern ist vielmehr logische Konsequenz dessen, was Voivod in den letzten Jahren auf und abseits der Bühne getrieben haben. Zunächst einmal ist natürlich die Rückkehr Blackys und seines unverwechselbaren "Blower Bass"-Sounds entscheidend. Seine letzten Studioaktivitäten mit der Band waren ja die Prog/Thrash-Meisterwerke "Dimension Hatröss", "Nothingface" und das damals umstrittene und heute umso beliebtere Spacerockalbum "Angel Rat".

Sein Mit-Saitenhexer Chewy hat sich auch sehr intensiv mit der Spätachtziger-Phase auseinandergesetzt, indem er Gitarrenbücher zu "Killing Technology" und "Dimension Hatröss" veröffentlicht hat. Und "Hatröss" wurde 2012 ja schließlich auch komplett live aufgeführt...
Nebenbei haben Voivod aber auch die Songs von "Negatron" und "Phobos" geübt und teilweise live gespielt. Für drei Viertel der Band waren diese ja quasi Coversongs, zumal von der Trio-Besetzung der neunziger Jahre nur Away übrig geblieben ist.

Einige Live-Klassiker der Frühphase waren ja sowieso nie ganz weg, und so kam gewissermaßen die komplette Bandgeschichte mit ins Studio.

Gleich beim Opener und Titeltrack hat man das Gefühl, Snake (auf dem ganzen Album mit der für mich besten Gesangsperformance seit "The Outer Limits") würde im Duett mit dem manisch schreienden Eric Forrest singen.
Musikalisch hält sich der Track ebenso wie zum Beispiel "Mechanical Mind" hingegen eher an das wilde Kombinieren unzähliger Parts im Stile von "Dimension Hatröss", während "Kaleidos" - noch irrwitziger, aber dafür auch noch lockerer aus dem Ärmel geschüttelt - schon eher in der "Nothingface"/"Angel Rat"-Phase zu verorten ist.
Primitiver geht es im erstmals französischsprachigen Thrasher "Corps Etranger" und dem für Voivod-Verhältnisse sehr gradliniegen "Kluskap O'Kom" (inkl. Shouting-Refrain) zu. Das eingängigste Stück ist jedoch der am Ende doch noch überraschend fiese Grooverocker "Resistance", welcher kaum an die Achtziger, sondern vielmehr an die 2000er Jahre der Band erinnert.

Bei all den Referenzen ist "Target Earth" aber auch über die gesamte Laufzeit ein für sich stehendes Werk, welches sich keineswegs in nostalgischer Zeitreise genügt, sondern vor allem nach vorne schaut. Dafür sorgt nicht zuletzt Chewy, der sich erfreulicherweise nicht damit begnügt, Piggys Stil zu imitieren, sondern auch viele neue Nuancen in den Voivod-Sound hineinträgt. Technisch kann dem sowohl im technischen Death Metal, als auch Jazz und Pop geschulten Gitarrenlehrer, der neuerdings nebenbei auch noch als Coach für eine Michael Jackson-Show arbeitet, ohnehin niemand etwas vormachen.

Die Songs sind allesamt so großartig, dass ich unter "Anspieltipps" eigentlich das komplette Album nennen müsste. Oder um es anders auszudrücken und das Fazit vorwegzunehmen:

2013 wird für den Metal ein ganz hartes Jahr, denn Voivod haben mit "Target Earth" bereits im Januar das Metal-Album des Jahres rausgebracht. Mehr wird da nicht nicht kommen, das geht einfach nicht!


Einen einzigen Kritikpunkt gibt es allerdings schon. Der letzte, äußerst vielversprechend beginnende Song "Defiance" wird nämlich nach anderthalb Minuten plötzlich ausgeblendet!
Das Ganze ist natürlich eine fiese Hommage an Venoms Rumpel-Klassiker "Black Metal", an dessen Ende es ebenfalls schon eine Vorschau auf das Nachfolgewerk "At War With Satan" gab.

Als Ausgleich zu diesem gemeinen Teaser enthält die Digipack-Version der CD dann aber noch zwei Live-Bonustracks vom Roadburn Festival 2012, nämlich den Titelsong und das Die Kreuzen-Cover "Man In The Trees" mit Gastsänger Dan Kubinski.




Die Box enthält zudem noch die den Gesamtpreis schon rechtfertigende, zuvor nur als LP von Roadburn Records erhältliche Liveaufnahme vom Roadburn 2011, deren Tracklisting natürlich viele Übereinstimmungen mit "Warriors Of Ice" zeigt.
Mit "Experiment" und dem besonderen Highlight den zu der Zeit erstmals von Snake gesungenen "Phobos"-Track "Forlorn" gibt es aber auch ein paar Abweichungen. Auf jeden Fall für sich schon ein lohnender Silberling!

Ansonsten gibt die Box noch diverse Aufkleber, Postkarten, ein Poster und einen Gürtel, der für meinem Körperumfang zwar schon nicht mehr wirklich gemacht ist, für besondere Anlässe aber schon taugt und von daher ein sinnvolleres Extra ist als das Einheitsgrößen-T-Shirt in der "Unplugged II"-Box der Fantastischen Vier. ;)


Sagte ich schon, dass der Rest der Metal-Welt für dieses Jahr einpacken kann?

"Target Earth" = das Pflichtalbum 2013. So weit möchte ich mich jetzt schon festlegen.


Anspieltipps: Kaleidos, Target Earth, Resistance, Mechanical Mind